Kreative Möglichkeiten der Bildgestaltung mit Dauerlicht

Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit auf Einladung von Calumet die Möglichkeiten und Charakteristika, die Dauerlicht als Set-Beleuchtung bietet, kennen zu lernen. Serge Romanov, ein Fotograf aus Moskau, der viel mit dieser Art von Licht arbeitet hat uns hinter seine Kulissen schauen lassen und neben Beispielen seiner Arbeiten, die unter http://www.sergeromanov.com/ zu sehen sind, auch Einblicke in seine Arbeit und seinen Workflow gewährt.

Die Ergebnisse waren für mich überraschend. Dauerlicht kommt eigenltlich aus dem Film-Genre. Für Fotografen gibt es zwei relevante Arten von Dauerlicht. Zum Einen Spot-Licht (z.B. von Dedo oder Ari) und Flächenlicht z.B. durch die einzigartigen Kino-Flows. Im Workshop ging es im Wesentlichen um Dedolights. Diese gibt es als HMI-Licht und Tungsten. Sie unterscheiden sich zum Einen durch die Farbtemperatur und zum Anderen durch die Lichtstärke. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist auch der Preis der Lampen. HMI Lampen, die Tageslicht-äquivalent abstrahlen, sind um ein Vielfaches teurerer als die Tungsten-Leuchten und bieten bei gleicher Watt-Zahl eine deutlich höhere Lichtausbeute, was für Fotografen besonders wichtig ist. Die Kino Flows sind nicht-flackernde Neon Rörhren, die ebenfalls in unterschiedlichen Farbtemperaturen und mit Flapps angeboten werden.

Die meisten Fotografen arbeiten ja mit Kompakt- oder Generator-Blitzen. Im Vergleich zu diesen Geräten bieten die Filmleuchten eine Reihe von Vorteilen aber auch Nachteile, die ich kurz beschreiben möchte.

© Stefan Schaal, light by Serge Romanov

Die wesentlichen Vorteile von Dauerlicht sehe ich darin, dass man schon am Set sieht wie das Bild aussieht. Man braucht kein Pola oder Testshoots am Laptop um das Zusammenspiel von verschiedenen vorhandenen Lichtquellen und künstlichen Lichtquellen im finalen Bild zu beurteilen. Auch die Aufladezeit der Generatoren oder Kondensatoren in den Kompaktblizen entfällt, was vor allem bei bewegten Szenen, gewollten Bewegungsunschäfren und schnellem Posenwechsel der Modelle von Vorteil ist. Ein weiterer Vorteil, der mir sehr gefällt, ist die Fokussierbarkeit der Linse die Dedo-Lights bieten. Damit kann man ähnlich zu den extrem teueren und schweren Fresnel-Linsen sehr definierte Schatten erzeugen (siehe Beispielbild). Ferner können unterschiedliche Gobos verwendet werden und das Licht nach den Vorgaben des Fotografen in Spots, Streifen und Dreiecken geformt werden. Duch die Fokussierung der Linse können dabei scharfe Schattenkanten oder auch weiche Verläufe erzeugt werden. Damit können z.B. auch sehr schöne Hintergrundmuster erzeugt werden. Ein weiterer Vorteil, den ich bisher mit noch keiner anderen Lichquelle erzielt habe, ist die extreme Spot-Beleuchtung. Dies ist z.B. in der Stil-Live Fotografie oder bei z.B. Schmuckaufnahmen eine tolle Möglichkeit Lichtakzente gezielt auf sehr kleine Regionen zu setzen. Gleiches gilt z.B. für die Automobilfotografie um gezielte Lichtreflexe, z.B. in die Scheinwerfer oder auf bestimmte Partien der Karosserie, zu setzen. All das ist mit klassischen Blitzen und Lichtformern in der Form nicht möglich.

© Stefan Schaal, light by Serge Romanov

Neben den Vorteilen gibt es aus meiner Sicht aber auch einige Nachteile. Zum Einen sind die Leuchten im Vergleich zu Studioblitzen mit den notwendigen Fokussiervorsätzen und Gobos recht teuer, so das eher Rent als Kauf in Frage kommt. Ferner ist die Lichtausbeute im Vergleich zu Generator-betriebenen Bliztzen eher gering, was sehr lichtstarke und rauscharme Kamerasensoren und Objektive erfordert. Standardmäßig arbeitet man mit Dedos’s mit Iso 800 und mehr. Meist ist eine sehr weit geöffnete Blende erforderlich, so dass die Objektive mindestens eine durchgängige Lichtstärke von 2,8 oder mehr aufweisen sollten. Ein weiterer Nachteil ist die Abhängigkeit von Stromquellen – obwohl es auch Akku-betriebene Möglichkeiten gibt- ist für den Standardeinsatz doch eine AC-Stromquelle mit 220 oder 110 Volt erforderlich, vor allem wenn man was häufig bei Spotbeleuchtung der Fall ist fünf und mehr Leuchten benutzt. Damit ist Dauerlicht auch vor dem Hintergrunde der geringen Lichtausbeute (maximal 400 Watt/Sek) für die klassische outdoor People Fotografie vor Allem gegen die Sonne eher weniger geeignet. Seine Stärken hat Dauerlich in der Studiofotografie, wenn es um mystische oder sehr akzentuierte Beleuchtung geht. Dabei kann man das Dauerlich natürlich auch mit klassischem Strobe-Licht kombinieren. Ich werde in den nächsten Wochen dies bestimmt ausprobieren und über die Ergebnisse hier berichten.

Die nächsten Themen in meinem Blog werden neben den Ergebnissen dieser Experimente folgenden Themen sein:

  • Ein Erfahrungsbericht der ersten 9 Monate Selbständigkeit als „spät-berufener“ Fotograf. Was und wer mir bei dem Schritt geholfen hat, worauf ich stolz bin, was die wesentlichen Herausforderungen und Erfolgsfaktoren sind und was als Nächstes ansteht.
  • Eine Rezession von drei sehr guten und spannenden Büchern, die sowohl Profis wie auch amitionierten Amateueren helfen bessere Bilder zu machen und sich über die eigene Positionierung im Haifischbecken klar zu werden.
  • Ein Bericht über einen sehr spannenden Auftrag, den ich in den letzen Wochen beendet habe
  • Ein Making-of mit Previews meines Buches mit Jeannette Gräfin von Beissel, dass im Februar 2011 im Knesebeck Verlag erscheinen wird
  • Eine Übersicht über interessante Blogs von Kollegen bzw. aus der Szene, die mir selber sehr geholfen haben und die ich mit großer Freude lese.
  • Einige Beispiele von teilweise sehr extremen Lichtsitutationen und Lichttemperaturen, die in Kombination sehr eindrucksvolle Ergebnisse ergeben. Hierbei ist das Thema vor Allem der Weissabgleich.

I will keep you posted und freue mich über Eure Kommentare und Anregungen.

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